Hallo Leute,
es ist hier zwar mein erstes Posting, aber ich möchte einen kleinen Einblick über diesen 16 Wochen Lehrgang geben.
Entschlossen habe, oder besser “wurde“ ich Ende letzten Jahres, den Meister doch in 16 Wochen zu machen.
Eigentlich wollte ich das Ganze auch in 2,5 Jahren durchziehen und hatte von Zeitproblemen geplagt, meinen AEVO-Schein schon in Bremen gemacht.
Mein erstes Bauchgefühl sagte mir, das kann überhaupt nicht funktionieren – und schon gar nicht in meinem Alter – werde dieses Jahr 47 Jahre alt. Das letzte Mal, dass ich die Schulbank gedrückt habe, ist mittlerweile ja auch schon fast 30 Jahre her. Aber die Chance, die mir mein Arbeitgeber bot, kommt nicht wieder, also sagte ich zu.
Mit gutem Vorsatz und entsprechender Euphorie ging es dann für 16 Wochen nach Hannover – eine Ferienwohnung sollte für die Zeit meiner Schulzeit das neue Domizil sein.
Es ließ sich alles sehr gut an – erster Tag, Verkauf der benötigten Bücher durch den Bildungsträger mit entsprechendem preislichem Aufschlag versteht sich und schon ging der Unterricht los. Unsere Lehrgangsgruppe bestand aus 27 Teilnehmern, die in dem uns zur Verfügung gestellten Raum viel zu viele waren, aber das nimmt man im ersten Moment so gar nicht war.
Unser erster Dozent war, was die Vermittlung des Stoffes anging super. Ein echt klasse Typ, der wirklich mit Lust und Engagement bei der Sache war. Ein Eingangs von Ihm geprägter Satz wurde im Laufe des Lehrgangs immer wieder von uns neu interpretiert – "Dieser Lehrgang wird Sie verändern".
Der Unterricht sollte eigentlich von Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 16.45 Uhr dauern – das stellt sich dann aber schon in der ersten Woche als Trugschluss heraus. Laut unserem Stundenplan waren Tage bis 20.15 Uhr sowie diverse Samstage eingeplant.
Am zweiten Tag ging es dann auch gleich mit Chemie bis 20.15 Uhr los – unser Chemiedozent legte in einem solchen Tempo los, dass wir uns alle nur Fragend anschauen konnten, weil zum einen die Vermittlung des Stoffes und der Stoff selber an allen vorbei ging. Uns wurden chemische Formeln um die Ohren „gedonnert“ und das Beste daran war, das nach jeder Formel der Spruch vom Dozenten kam – kennen Sie doch (aber mal ehrlich, woher sollten wir die denn kennen?). Auf jeden Fall war der Unmut bei allen Teilnehmern schon sehr hoch, weil durch die verlängerten Tage uns dann auch noch die Möglichkeit zum Üben genommen wurde.
Am nächsten Tag habe ich dann bei der Bildungsträgerleitung interveniert – bedingt dadurch, dass ich am besten Argumentiere, wenn ich zornig bin, brachte mir das dann auch den undankbaren Job des Lehrgangssprechers ein – ein wirklicher „sch….job“, denn die gesamte Organisation des Lehrgangs stimmte hinten und vorne nicht und so war ich immer wieder mit dem Bildungsträger unfreiwillig in Kontakt. Dazu muss dann auch gesagt werden, dass unser Bildungsträger seinen Stammsitz nicht in Hannover hat. Wir waren in Hannover der erste Lehrgang und wohl so etwas wie der Versuchsballon.
Auch die Ausbildereignungsprüfung (ADA) vollzog sich bei den anderen im Schnelldurchlauf – innerhalb einer Woche mit anschließender Prüfung, wofür ich in Bremen einen 12 Tage Lehrgang besucht hatte.
Wenn ich es mal mit eleganten Worten umschreiben sollte, müsste ich es wohl so formulieren: Hätten wir uns eine Scheune gemietet und uns die Dozenten selber gesucht, wäre die ganze Geschichte harmonischer und besser abgelaufen.
Wie dem auch sei, zurück konnten wir nicht mehr und mussten das Beste aus der ganzen Sache machen.
Viele von Euch wissen ja selber, dass ein solcher Lehrgang mit den Dozenten steht oder fällt – bei uns war es wohl mehr ein Fallen als stehen. Zugegebener Maßen hatten wir drei oder vier wirklich gute Lehrer – der Rest hatte es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst schnell und ohne viel Aufwand den Lehrstoff durchzuziehen. Da wir uns ja in der Erwachsenenbildung befinden gibt es auch keinen Lehrauftrag, sondern das einzige Recht was wir hatten, uns den Lehrstoff selber beizubringen – ist schon schwierig bei Unterrichtszeiten bis 20.15 Uhr und Samstagen bis 16.45 Uhr.
Vielen von uns fiel es schwer, gerade in NTG – hier hatte der Bildungsträger laut Stundenplan abends ein 4-maliges Mathecoaching eingeplant. Ihr wisst alle, wie schwer es ist, nach langer Zeit wieder mit Formeln usw. umzugehen, und so reichte dieses Coaching natürlich nicht aus.
Kurzentschlossen haben wir uns auf eigene Kosten einen Mathetrainer besorgt und uns 2-mal die Woche nach Unterrichtsschluss damit beschäftigt.
Es war auf jeden Fall eine unheimlich harte Zeit und ich muss sagen, der Zusammenhalt innerhalb des Lehrganges war schon riesig!!
Es gab auch keine Vorbereitung auf die BQ bzw. HQ Prüfungen, wie das z.B. bei langfristigen Lehrgängen die Regel ist.
Auf alle Fälle sollten die Leute, die mit dem Gedanken spielen, einen solchen Lehrgang zu buchen, sich den Bildungsträger genau anschauen – im Internet nach irgendwelchen Beiträgen zu suchen bringt jedenfalls nicht viel, da negative Beiträge gezielt herausgelöscht werden und viele Foren von Bildungsträgern betrieben werden. Und vor allem sollten sich die zukünftigen Teilnehmer sehr sorgfältig vorbereiten – wir hatten z.B. einen Bundeswehrsoldaten, der 4 Monate allein auf diesen Lehrgang vorbereitet wurde.
In unserem Lehrgang hat nur ein Teilnehmer das Handtuch geworfen – bei langfristigen Lehrgängen ist das Durchhaltevermögen wahrscheinlich das größte Problem.
Die zeitliche Gliederung der Prüfungen lief bei uns auch etwas anders ab:
BQ 05/06. Mai 2011
HQ 16/17. Mai 2011
Fachgespräch 23.05.2011 (hier wurden uns dann schon die HQ Ergebnisse mitgeteilt)
Soweit ich jetzt weiß, haben 14 Teilnehmer glatt bestanden, 7 mussten in die mündliche (davon stehen noch 3 Ergebnisse aus) und 5 müssen im November nochmal ran.
Ich selber musste auch in die mündliche BWL Nachprüfung und habe bestanden.
Damit ist für mich die Sache erfolgreich zu Ende gegangen und darf mich jetzt MEISTER nennen.
Gruß von hier…
-Lack-
AEVO Jan. 2011
HQ Mai 2011
BQ Juli 2011